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BUCHTIPP DES MONATS

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petra hammesfahr

"Einer von uns"

Asne Seierstad


Am 22.Juli 2011 erschüttert der Norweger Anders Behring Breivik die Welt. Weil er sich vor Überfremdung und der Marginalisierung der norwegischen und europäischen Rasse durch Muslime fürchtet, platziert er eine Bombe im Osloer Regierungsviertel und erschießt auf der kleinen Insel Utøya wahllos 69 Menschen, überwiegend Jugendliche. Sie waren dort in einem Sommercamp der norwegischen Sozialdemokraten. Insgesamt fallen ihm 77 Menschen zum Opfer. Åsne Seierstad, Auslandskorrespondentin und Kriegsreporterin, versucht in einem Hybrid aus Roman und Reportage dem Menschen Breivik und seinen Taten nachzuspüren.
Was die norwegische Journalistin Asne Seierstad in ihrem 2013 im Original erschienenen Buch über den Massenmörder Breivik schreibt, schockiert, aber öffnet auch die Augen. Dass die Autorin den Menschen Breivik in den Mittelpunkt ihrer auf Gesprächen mit Freunden, Parteigenossen, Überlebenden und auf Verhörprotokollen und Zeugenaussagen basierenden Untersuchung stellt, scheint nachvollziehbar. Der Text entwickelt einen Sog, dem man sich schwer entziehen kann, nicht zuletzt, weil sich Seierstad mit Kommentaren zurückhält. Wenn die Autorin in "solider Reporter-Prosa" über das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft nachdenkt, der Leser, dass es letztlich doch Breivik ist, der für die Taten von Breivik verantwortlich ist.
Kann man Taten wie die von Anders Breivik überhaupt verstehen? Möchte man sie nachvollziehen? Wie nah will man einem Menschen kommen, der in barbarischer Weise für seine kruden politischen Überzeugungen gemordet hat? Verstehenwollen wird zu oft mit Verständnis für den Täter bzw. seine Taten verwechselt; dennoch lohnt es sich in diesem Fall. Anders Breivik wächst allein mit seiner Mutter Wenche und seiner älteren Schwester Elisabeth auf, der Vater verlässt die Familie früh. Anders ist ein unerwünschtes Kind. Seine Mutter, psychisch stark angeschlagen, ist überfordert mit dem Jungen, mit dessen Wut und Launen sie nicht umgehen kann. „Am liebsten wäre sie ihn losgeworden, klagte sie.“, heißt es bei Seierstad. Was folgt, sind Wochenendpflegefamilien, Besuche vom Jugendamt und psychiatrische Untersuchungen. Es heißt, Anders fehle es an „Spontaneität, Bewegungsdrang, Fantasie und Empathie“, er könne „seine Gefühle nicht verbal ausdrücken“ und nehme „von sich aus keinen Kontakt zu anderen Kindern auf.“ Bei allen Auffälligkeiten aber handle es sich nicht um irreversible Schäden, wenn die häusliche Situation durch externe Pflege entspannt wird. Zum Leidwesen aller Beteiligten ist es dazu nie gekommen.